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PROGRAMM (AUSSTELLUNG)
 
Wir alle kennen die Werbebeilagen und Fernsehspots in denen niedliche rosa Schweinchen Elektroartikel, günstige Sparzinse, ja sogar ganze Häuser verkaufen helfen sollen.
Unsere Kinder beschäftigen sich mit Geschichten von „Schweinchen Babe“ oder „Miss Piggy“, sie lieben Ferkel und lachen mit „Schweinchen Dick“.
In unserem Sprachgebrauch finden sich Redewendungen über Schweine en masse. Wir benutzen Schimpfworte, in denen das Schwein für Schmutz, Gier, Dummheit oder Obszönität steht. Schweine überall, kaum ein Tier, das so vielfältig interpretierbar wäre, so vertraut und fern zugleich wie das Schwein. Aus dem Blick geraten sind uns jene Schweine, die wir zu unsrer Nahrung werden lassen, die lebenden Schweine, die für uns ihr Leben lassen. Ein Grossteil der Menschen bekommt ein lebendes Schwein nie zu Gesicht.

Wie sieht es nun aber in der abendländischen Kunstgeschichte aus mit unserem Verhältnis zum Schwein?
In der mittelalterlichen Kunst finden sich sowohl symbolische als auch realistische Darstellungen von Schweinen. Sie dienen unter anderem als Allegorien für Unmäßigkeit und Gier, in den beliebten Monatsbildern erscheinen sie aber auch ganz konkret als treue Fleischversorger und wertvoller Besitz des Bauern.
Im 19. Jahrhundert dann werden Schweineherden in freier Natur bildwürdig. Zu Beginn der Industrialisierung wird das geschlachtete Tier in seiner ganzen Blutfleischlichkeit zum eigentlichen Bildmotiv, einige Künstler (z.B. Lovis Corinth) gehen in die neu errichteten Schlachthöfe, um Bildstudien vor Ort zu machen. Grundsätzlich, kann man jedoch sagen, dass Schweine nur als Randfiguren in der Kunstgeschichte auftauchen. Seit sie in die wenig anschaulichen Mastanlagen verbannt wurden, verschwinden sie sogar ganz aus dem Bildgeschehen. Erst später in der Popart erscheinen sie erstmalig wieder bei Jeff Koons, der eine Schwein-Nippesfigur als blasphemischen Inhaltsträger benutzt.
Seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts beschäftigen sich Künstler zum ersten mal mit dem Thema „Schwein“ als Lebewesen und Mitgeschöpf und problematisieren in ihren Arbeiten die Beziehung zwischen Mensch und Tier, wie z.B. Damien Hirst, Rosemarie Trockel / Carsten Höllerl, Zhu Yu und Patricia Piccinis.

In der Karikatur und Satire ist das Schwein durchgängig seit dem 15. Jahrhundert zu sehen. Mit sozialkritischen und politischen Vorzeichen benutzen die Zeichner das Schwein häufig als eine universelle Metapher, um die Kritisierten übertreibend lächerlich zu machen. Die Karikatur macht sich ein Bild vom „Schwein“, das das Tier verzerrt „vermenschlicht“, indem es ihm negative menschliche Züge zuschreibt.
Erst seit den großen Skandalen der Massentierhaltung ( BSE, Schweinepest, etc.) dreht sich dies um: das Bild des Menschen verzerrt sich im Spiegel der kranken, gequälten Tiere.

Der Ausgangspunkt für die Ausstellung in Landshut im Herbst 2007 ist die Frage, ob Kunst sich vom wirklichen Leben abheben kann, oder ob sie, indem sie das Reale aufnimmt und reflektiert, die Wirklichkeit verändern helfen kann.
Die Ausstellung entwickelt ihren eigenen ästhetischen Rahmen unter Einbeziehung
vorgefundener Wissensarten über das Thema wie z.B. Historie, Biologie, Landwirtschaft, Ethik
etc., d.h. die Ausstellung wird künstlerische und dokumentarische Aussagen vereinen.

Erweitert wird die Ausstellung im Röcklturm durch die Kunst- und Lustgärtnerei®, Oberschleißheim.

Bisherige Ausstellungen von Gisela Hellinger zum Thema:
Die „Bratwurst - Ein künstlerischer Leckerbissen“, Stadtmuseum Nürnberg, 2003 / Katalog
Die „Bratwurst - Ein künstlerischer Leckerbissen“, (begrünt und erweitert durch die Kunst- und Lustgärtnerei, Unterschleißheim), Museum für Thüringer Volkskunde und EGA Erfurt, 2004 / Katalog

Buchveröffentlichung beim ars vivendi Verlag, Cadolzburg: „Die Bratwurst – ein künstlerischer Leckerbissen“, 2003.



Bildnachweis: Gisela Hellinger
 
 
 
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